Love has no face [Aki]

Eigentlich war für mich schon immer klar, dass das Geschlecht keinerlei Rolle spielen sollte. Vor allem, wenn es um Liebe geht – denn Mensch ist Mensch.

Im Teenageralter schwärmte ich für Musikerinnen wie Brody Dalle und Linda Perry, die ihr eigenes Ding machten und sich von der Gesellschaft nichts vorschrieben ließen, aber auch für androgyne Rockstars wie Richey Edwards, Brian Molko oder den jungen Axl Rose. Ich „verguckte“ mich fast ausschließlich in Mädels, im Grunde war (und ist es noch immer) nicht vom Geschlecht abhängig, wen ich attraktiv finde.

Theoretisch hätte ich mich schon längst – etwa mit 15/16 – outen können. Damals hätte ich mich aber niemals getraut, meiner Mutter davon zu erzählen, dass ich nicht hetero bin. Meine Mutter war zwar nicht homophob, denn im Grunde hatte sie nichts gegen queere Menschen, aber bei den eigenen Kindern war es dann doch etwas anderes. Fragt mich nicht wieso, ich weiß es nicht – sich outen kam jedenfalls nicht in die Tüte. Zu groß war die Angst vor Ablehnung und Stress zuhause.

Das Coming Out meines Bruders vor einigen Jahren erleichterte die Sache auch für mich. Meine Mutter gewöhnte sich sehr schnell an den Gedanken, dass mein Bruder auf Männer steht, und alles war gut. Mehr oder weniger. Ich selbst nämlich schob meine eigene Orientierung immer weiter in den Hintergrund, da sie auch gar keine Rolle spielte. Ich war schließlich schon immer hoffnungsloser Single – wieso also das unbequeme Thema ansprechen?

Meinen ersten Partner, meinen heutigen Ehemann, lernte ich mit 22 kennen, und ich muss ehrlich zugeben: Ein wenig froh war ich zu Beginn unserer Beziehung schon darüber, dass mir ein Coming Out erspart blieb. Bis vor einigen Wochen blieb das auch so, bis sich in mir selbst etwas gewandelt hat. Ich hatte es satt, wichtige Aspekte meiner Persönlichkeit zu ignorieren oder gar zu verheimlichen, nur aus Angst, es könnte jemandem nicht passen. Meine beiden Lieblingsmenschen – mein Mann und mein bester Freund – lieben mich schließlich sowieso wie ich bin, meine Familie sollte damit kein Problem (mehr) haben und was der Rest denkt, kann mir sowieso egal sein.

Irgendwie fand ich vor Kurzem also doch den Mut, es meiner Mutter zu sagen. Nach einem extrem unbeholfenen Telefonat am Bahnhof, unterbrochen von vorbeirauschenden Güterzügen und meiner eigenen Dämlichkeit und Unfähigkeit, mich einfach und direkt auszudrücken, berichtete ich meiner Mutter also davon, dass ich „auf Menschen stehe“. Anschließend musste ich ihr vor lauter Rumgedruckse noch eine eindeutige Definition von Pansexualität auf WhatsApp hinterherschicken, wodurch ich mir noch unfähiger vorkam. Aber nach einigen Fragen („Ist das das, wenn man keinen Sex hat?“ – „Äh nee Mama, das ist was anderes…“) verstand sie es… und alles war gut. Sie hatte absolut kein Problem damit, und ich war so froh darüber.

Das war also mein erstes richtiges und wichtigstes Coming Out. Mal sehen, welche Erfahrungen ich in Zukunft noch machen werde. Verstecken will ich mich jedenfalls nicht mehr.

So who cares whose arms I’m all wrapped up in
Who cares whose eyes I see myself in
Who cares who I dream of
No, it doesn’t matter who I dream of
‚cause in the end it only matters that I was loved and I am loved
Love has no face

Randi Driscoll – What Matters

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