Rantrantrant [Aki]

Als ich in den letzten Tagen von der Kritik um die Verlobung der bisexuellen Schauspielerin Stephanie Beatriz las, wusste ich schon, dass ich diesem Thema unbedingt einen eigenen Post widmen wusste.

Sofort stellte sich mir – mal wieder – die folgende Frage:

Wie kommen einige Exemplare dieser wundervollen Menschheit überhaupt auf die Idee, sie hätten das Recht, derart persönliche, private Dinge wie beispielsweise die Sexualität eines Menschen in Frage zu stellen?

Zumal die Dame sich doch als bisexuell identifiziert. Wo ist also das Problem? Wieso zur Hölle sollte sie die Beziehung zu einem Mann doch heterosexuell machen? Ist sie plötzlich weniger bisexuell als vor ihrer Beziehung? Verdammt nochmal – NEIN, ist sie nicht! Und hey, selbst wenn sie lesbisch wäre und sich dann doch in einen Mann verlieben und diesen heiraten würde, ginge dies immer noch NIEMANDEN etwas an.

Ich finde es dermaßen unverschämt und diskrimierend, dass vor allem bi- und pansexuelle Menschen Gefahr laufen, noch weniger für voll genommen zu werden, wenn sie dann doch eine Beziehung führen, die „der Norm entspricht“. Niemand außer ihnen selbst hat das Recht, dies zu beurteilen, zu kritisieren oder in Frage zu stellen. NIEMAND.

Ich selbst identifiziere mich als pansexuell/panromantisch, bin seit letztem Jahr mit einem heterosexuellen Mann verheiratet und habe mich in meinem Leben nie mehr „pan“ gefühlt als jetzt. Dass ich Menschen unbhängig ihres Geschlechts attraktiv und interessant finde, hat sich dadurch kein bisschen geändert. PUNKT.

“We’ll make vows that I will take very seriously—till death do us part. But I’ll be bi till the day I die, baby, and I vow to myself to always sing that truth.

Stephanie Beatriz

Und was mich in den letzten Tagen ebenfalls extrem geärgert hat, ist die Tatsache, dass sich einige Leute, die sich „eigentlich“ als pansexuell identifizieren, der Einfachheit halber doch lieber als bisexuell betiteln. Weil man angeblich keinen Bock hat, sich immer und immer wieder erklären zu müssen. Ohje, soll ich Taschentücher verteilen?

Mag sein, dass ich in diesem Fall selbst sehr engstirnig bin, aber ich empfinde solche Aussagen als Schlag in die Magengrube für alle, die dazu stehen, dass sie pan sind und bemüht sind, bei ernsthaften Fragen auch mal aufzuklären. Wenn ich dann höre, dass eine solche Person unserer bezaubernden, hochtoleranten Menschheit „verkaufen“ will, dass für sie Bisexualität bedeutet, auf das eigene und „alle anderen Geschlechter“ zu stehen, ist das für mich einfach falsch und geht gar nicht. Bisexualität und Pansexualität sind einfach zwei unterschiedliche Schubladen, auch wenn sie sich sehr ähneln. Ob man diese Schubladen überhaupt braucht, ist ein anderes Thema, aber es muss trotzdem nicht sein, dass man aus einer Birne einen Apfel macht. Der Einfachheit halber.

 

Love has no face [Aki]

Eigentlich war für mich schon immer klar, dass das Geschlecht keinerlei Rolle spielen sollte. Vor allem, wenn es um Liebe geht – denn Mensch ist Mensch.

Im Teenageralter schwärmte ich für Musikerinnen wie Brody Dalle und Linda Perry, die ihr eigenes Ding machten und sich von der Gesellschaft nichts vorschrieben ließen, aber auch für androgyne Rockstars wie Richey Edwards, Brian Molko oder den jungen Axl Rose. Ich „verguckte“ mich fast ausschließlich in Mädels, im Grunde war (und ist es noch immer) nicht vom Geschlecht abhängig, wen ich attraktiv finde.

Theoretisch hätte ich mich schon längst – etwa mit 15/16 – outen können. Damals hätte ich mich aber niemals getraut, meiner Mutter davon zu erzählen, dass ich nicht hetero bin. Meine Mutter war zwar nicht homophob, denn im Grunde hatte sie nichts gegen queere Menschen, aber bei den eigenen Kindern war es dann doch etwas anderes. Fragt mich nicht wieso, ich weiß es nicht – sich outen kam jedenfalls nicht in die Tüte. Zu groß war die Angst vor Ablehnung und Stress zuhause.

Das Coming Out meines Bruders vor einigen Jahren erleichterte die Sache auch für mich. Meine Mutter gewöhnte sich sehr schnell an den Gedanken, dass mein Bruder auf Männer steht, und alles war gut. Mehr oder weniger. Ich selbst nämlich schob meine eigene Orientierung immer weiter in den Hintergrund, da sie auch gar keine Rolle spielte. Ich war schließlich schon immer hoffnungsloser Single – wieso also das unbequeme Thema ansprechen?

Meinen ersten Partner, meinen heutigen Ehemann, lernte ich mit 22 kennen, und ich muss ehrlich zugeben: Ein wenig froh war ich zu Beginn unserer Beziehung schon darüber, dass mir ein Coming Out erspart blieb. Bis vor einigen Wochen blieb das auch so, bis sich in mir selbst etwas gewandelt hat. Ich hatte es satt, wichtige Aspekte meiner Persönlichkeit zu ignorieren oder gar zu verheimlichen, nur aus Angst, es könnte jemandem nicht passen. Meine beiden Lieblingsmenschen – mein Mann und mein bester Freund – lieben mich schließlich sowieso wie ich bin, meine Familie sollte damit kein Problem (mehr) haben und was der Rest denkt, kann mir sowieso egal sein.

Irgendwie fand ich vor Kurzem also doch den Mut, es meiner Mutter zu sagen. Nach einem extrem unbeholfenen Telefonat am Bahnhof, unterbrochen von vorbeirauschenden Güterzügen und meiner eigenen Dämlichkeit und Unfähigkeit, mich einfach und direkt auszudrücken, berichtete ich meiner Mutter also davon, dass ich „auf Menschen stehe“. Anschließend musste ich ihr vor lauter Rumgedruckse noch eine eindeutige Definition von Pansexualität auf WhatsApp hinterherschicken, wodurch ich mir noch unfähiger vorkam. Aber nach einigen Fragen („Ist das das, wenn man keinen Sex hat?“ – „Äh nee Mama, das ist was anderes…“) verstand sie es… und alles war gut. Sie hatte absolut kein Problem damit, und ich war so froh darüber.

Das war also mein erstes richtiges und wichtigstes Coming Out. Mal sehen, welche Erfahrungen ich in Zukunft noch machen werde. Verstecken will ich mich jedenfalls nicht mehr.

So who cares whose arms I’m all wrapped up in
Who cares whose eyes I see myself in
Who cares who I dream of
No, it doesn’t matter who I dream of
‚cause in the end it only matters that I was loved and I am loved
Love has no face

Randi Driscoll – What Matters

Who the hell am I? [Aki]

Man sollte meinen, mit fast 30 Jahren wüsste man, wer man ist, was man mag oder nicht mag und was man will im Leben. Schließlich hat man genug Jahre auf dem Buckel und schon ein wenig Lebenserfahrung vorzuweisen.

Tja, denkste.

Ich habe das Gefühl mich erst jetzt richtig kennenzulernen und als den Menschen zu akzeptieren, der ich bin. Aber gleichzeitig realisiere ich, dass ich noch gar nicht vollständig ergründet habe, wer sich in meinem tiefsten Inneren verbirgt. Es gibt einfach noch so viel über mich selbst zu herauszufinden, das ich in der Vergangenheit ignoriert, verdrängt und bei Seite geschoben habe, aus welchen Gründen auch immer. Es wird gerade in dieser Hinsicht also nochmal aufregend… Und so unsicher es mich macht und so sehr es mich zum Zweifeln bringt – irgendwie ist so eine späte „Selbstfindungsphase“ auch unheimlich spannend.

Doch wie kam ich überhaupt dazu, mir ausgerechnet jetzt noch einmal so viele Gedanken über dieses Thema zu machen? Ich glaube, mein bester Freund Sam und sein Mut, seinen Weg zu gehen, egal wie steinig er ist, hat mich sehr dazu inspiriert, endlich mal wieder in mich zu gehen und zu hinterfragen, wer ich wirklich bin – und ich bin schnell zu dem Schluss gekommen, dass ich die letzten Jahre Aspekte meiner Persönlichkeit unterdrückt habe, zu denen ich eigentlich schon lange hätte stehen müssen, weil sie einfach Teil von mir sind. Doch statt dies zu tun, habe ich sie verdrängt und als „unwichtig“ beiseite geschoben. Auch, weil ich Angst hatte – vor Ablehnung, Konflikten, Diskussionen und davor, dass ich mich verteidigen und rechtfertigen müsste, obwohl es niemanden außer mir selbst etwas angeht wie ich mich fühle und es mir völligst egal sein sollte, was andere davon halten. Aber die Realität sieht eben anders aus und da ich mit solchen Dingen nicht gut umgehen kann, bevorzugte ich den „einfachen“ Weg ohne darauf zu achten, wie unzufrieden ich dadurch eigentlich geworden bin, denn so konnte ich nie wirklich der Mensch sein, der ich tatsächlich bin.

Momentan bin ich noch dabei, das passende „Schublädchen“ für mich zu finden. Nicht, weil ich mich dazu genötigt oder gezwungen fühle, mir selbst ein Label aufzudrücken, sondern für mich selbst und meine „innere Ordnung“. Zur Zeit bin ich mir darüber sehr unsicher, vor allem was meine Geschlechtsidentität betrifft. Die Frage nach meiner sexuellen und romantischen Orientierung kann ich wesentlich leichter beantworten und fühle mich mit den Begriffen „pansexuell/panromantisch“ sehr wohl.

Selbstreflexion soll also unter anderem Thema dieses Blogs sein, von dem ich mir wünschen würde, dass er uns und auch andere Menschen, denen es ähnlich ergeht, darin bestärken soll, Mut zu haben und zu der Person zu stehen, die sich tief in unserem Inneren verbirgt und sich bisher nicht getraut hat, herauszukommen.

Auf der Suche nach der passenden Überschrift für diesen ersten Post stieß ich auf folgenden Liedtext von Hoobastank, der meiner Meinung nach wie die Faust aufs Auge passt:

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